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BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN

Dorothea Frederking

Tierrettung aus industriellen Anlagen kaum möglich

Debatte um Stallbrände geht am Kernproblem vorbei

23.07.26 – von DF/YR –

Zur aktuellen Berichterstattung über Stallbrände, Ursachen und möglichen Präventionen erklärt Dorothea Frederking, agrarpolitische Sprecherin der Landtagsfraktion Bündnis 90/Die Grünen:

„Das grundlegende Problem ist: Aus industriellen Tierhaltungsanlagen können im Brandfall die dort gehaltenen Massen an Tieren gar nicht gerettet werden. Für eine große Zahl von Tieren werden die Megaställe somit zwangsläufig zu qualvollen Todesfallen. Schweine fliehen nicht geordnet ins Freie. Sie müssen ruhig getrieben werden und suchen bei Gefahr oft den vermeintlich sicheren Stall auf. Bei Rauch, Hitze, Lärm und Panik wird Rettung zur Illusion. Deshalb geht die Debatte am Kern vorbei, wenn sie bei Rauchmeldern und Feuerwehrplänen stehen bleibt.“

Frederking verweist auf ihre Kleine Anfrage (KA 6/4271). Darin stellte die Landesregierung schon 2016 fest, dass eine Rettung von Tieren aus Stallanlagen in kurzer Zeit grundsätzlich schwierig ist. Auch die Forschungsstelle für Brandschutztechnik am Karlsruher Institut für Technologie beschreibt, wie schnell die Rettung großer Tierbestände an praktische Grenzen stößt. Schweine sind keine Fluchttiere. Hektik, fremde Menschen und Geräusche verhindern eine wirksame Rettung. Für die Rettung von 100 Schweinen werden rund 45 Minuten angegeben. Bei Tausenden Tieren ist damit klar, was passiert.

„Brandschutz ist wichtig. Aber er beginnt zu spät, wenn die Größe der Anlagen unangetastet bleibt. Wenn zu viele Tiere an einem Standort gehalten werden, wird jede Tür zu eng und jede Minute zu knapp. Das ist ein Systemfehler“, so Frederking.

Die Brände der vergangenen Jahre zeigen dieses grundlegende Problem. Nach dem Brand in Düben bei Wittenberg sind mehr als 20.000 Schweine verendet. In Binde bei Arendsee gab es 2024 und 2021 ähnliche Vorfälle.

Die Grünen im Landtag fordern deshalb, den Umbau der Tierhaltung wieder ins Zentrum zu stellen. Große Schweinehaltungsanlagen müssen umgebaut und dort zurückgebaut werden, wo ihre Größe Tierleid verschärft. Weniger Tiere an einem Standort bedeuten weniger Leid, wenn es brennt. Mehr Platz, Licht, Luft und Auslauf bedeuten bessere Haltung an jedem Tag.

Frederking fordert die Bundesregierung auf, die Förderung für Investitionen in tierwohlgerechte Ställe und deren laufende Bewirtschaftung wieder aufzulegen.

„Tierwohl muss für Betriebe ein tragfähiges Geschäftsmodell werden. Dafür brauchen wir verlässliche Finanzierung und eine verbindliche Tierhaltungskennzeichnung für alle tierischen Produkte. Ich kann die Zurückhaltung von Bauernverband und Bauernbund bei dauerhaften Finanzierungsinstrumenten nicht akzeptieren. Wer Planungssicherheit fordert, muss beim Umbau mitgehen. Tiere sind fühlende Mitgeschöpfe. Eine flächengebundene Tierhaltung schützt sie besser und entlastet zugleich die Umwelt.“

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