04.06.26 –
Zu den MDR-Recherchen über schwere Tierquälerei in einer Ferkelaufzucht in Köselitz (LK Wittenberg, Sachsen-Anhalt),
erklärt Dorothea Frederking, Sprecherin für Landwirtschaft und Tierschutz der Landtagsfraktion Bündnis 90/Die Grünen:
„Nach all den Jahren des Einsatzes für besseren Tierschutz in den Ställen machen mich die aktuellen Bilder sehr traurig. Das Tierwohl wird seit Jahren in den Blick genommen, doch die Ergebnisse bleiben bis auf wenige Verbesserungen dürftig, und Tiere leiden weiter. Tierschutzwidrige Verstöße sind leider immer noch an der Tagesordnung. Tierleid muss endlich beendet werden, und das vorherrschende System des Wegschauens muss sich zu einem des Hinschauens wandeln.“
MDR INVESTIGATIV berichtet über Videoaufnahmen aus einem Betrieb im Landkreis Wittenberg. Laut MDR sollen darauf unter anderem Ferkel zu sehen sein, die mit dem Kopf voran auf den Boden geschlagen werden. Außerdem zeigen die Aufnahmen nach Einschätzung befragter Fachleute Schmerzreaktionen bei Kastrationen, verletzte Tiere, eiternde Wunden und Tiere, die apathisch im Kot liegen. Der Fall liegt nach MDR-Angaben bei der Staatsanwaltschaft, das Veterinäramt prüft die Vorgänge. Der Betrieb war von der Initiative Tierwohl zertifiziert, darf seine Tiere vorerst aber nicht mehr mit diesem Label vermarkten.
Frederking weiter: „Diese Bilder zeigen, dass die heutigen tierschutzrechtlichen Kontrollen leider immer noch nicht ausreichen, um den Tierschutz durchzusetzen und den Tieren zu ihrem Recht zu verhelfen. Wenn Tiere offene Wunden, entzündete Gelenke, Lahmheiten oder andere sichtbare Schmerzzeichen haben, muss das systematisch erfasst werden. Nicht erst, wenn Tierschützerinnen und Tierschützer verdeckt filmen. Wir haben deshalb neue Routinekontrollen vorgeschlagen, die am Tier selbst ansetzen. Schmerz ist der ehrlichste Indikator. Schmerzen sollen anhand von äußerlich sichtbaren Merkmalen wie zum Beispiel eitrigen Gelenkentzündungen oder Hautläsionen im Stichprobenverfahren festgestellt werden. Konsequent müssen dann die Schmerzursachen beseitigt werden. Damit werden in der Regel die Haltungsbedingungen so grundlegend verändert, dass es den Tieren besser geht.“
Der Tierschutzbericht 2025 des Landes bestätigt den Handlungsbedarf. Im Jahr 2024 wurden bei 2.190 Kontrollen in 1.681 Nutztierhaltungen in 346 Betrieben Verstöße festgestellt. Das entspricht rund 20,6 Prozent. Die schwerwiegendsten Verstöße betrafen vor allem Schweine, Rinder, Schafe und Ziegen. Genannt werden gravierende Mängel unter anderem bei der Versorgung kranker und verletzter Tiere, bei Futter und Wasser sowie fehlendes ausreichend qualifiziertes Personal.
„Wer Tierwohl ernst meint, muss hinschauen, messen und die Ursachen beseitigen. Freiwillige Labels reichen nicht. Sachsen-Anhalt braucht Kontrollen, die Leid erkennen, bevor es zum Skandal wird“, so Frederking.
https://www.mdr.de/nachrichten/app-aktuell/vorwuerfe-tierquaelerei-100.html
Dorothea Frederking, MdL Tel.: 03931 - 5896 330 Werktags 10:00 - 16:00* Regionalbüromitarbeiter *Außentermine vorbehalten. Kontaktieren Sie mich gern für einen Termin oder tagesaktuelle Öffnungszeiten. |
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